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Wir gehen weiter – nicht, weil uns dieser Schritt leichtfällt, sondern weil wir unter veränderten Bedingungen eine tragfähige Zukunft für unsere Kirche gestalten wollen.
– Evangelische Indonesische Kristusgemeinde Rhein-Main, zum Umzug in die Lutherkirche
Die Evangelische Indonesische Kristusgemeinde Rhein-Main steht im Jahr 2026 vor einer neuen Etappe. Nach vielen Jahren in der Frankfurter Innenstadt, am Römerberg, in der Saalgasse und im Umfeld des Evangelischen Gemeindehauses Hinter dem Lämmchen wird sich der regelmäßige Schwerpunkt unserer Gemeindearbeit künftig in die Lutherkirche im Frankfurter Nordend verlagern.
Dieser Schritt ist nicht als freie Abkehr von unserer bisherigen Geschichte am Römerberg zu verstehen. Er ist eine Antwort auf veränderte räumliche, bauliche und kirchenstrukturelle Rahmenbedingungen. Unser Kirchenvorstand hat diese Entwicklung intensiv beraten und abgewogen. Dabei wurde deutlich: Unsere Gemeinde verlässt nicht ihre Geschichte, sondern sucht unter schwierigen Bedingungen einen verlässlichen Weg in die Zukunft.
Zugleich ist uns wichtig, diesen Schritt öffentlich verständlich einzuordnen. Wir sehen die Herausforderungen, vor denen die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau und die Evangelische Kirche in Frankfurt und Offenbach im Rahmen von EKHN 2030 stehen. Wir wissen, dass Gebäude, Räume und kirchliche Strukturen neu geordnet werden müssen. Gleichzeitig haben wir erlebt, dass internationale Gemeinden und ihre besonderen Bedarfe zu Beginn dieser Prozesse nicht ausreichend mitgedacht und nicht rechtzeitig eingebunden wurden.
Gewachsene Orte in der Frankfurter Innenstadt
Die Alte Nikolaikirche am Römerberg, die Räumlichkeiten im Umfeld der Saalgasse, das Evangelische Gemeindehaus Hinter dem Lämmchen und die Evangelische Akademie waren für unsere Gemeinde nie nur funktionale Orte. Sie waren und sind Orte gewachsener geistlicher, ökumenischer und gemeinschaftlicher Identität.
Besonders die langjährige Zusammenarbeit mit der St. Paulsgemeinde hat unsere Gemeinde geprägt. Über viele Jahre hinweg konnten wir gemeinsam Räume beleben, Begegnungen ermöglichen und kirchliche Flächen in der Frankfurter Innenstadt mit Leben füllen. Daraus entstand nicht nur Raumnutzung, sondern gelebte Nachbarschaft.
Einen ausführlichen Rückblick auf unsere Geschichte haben wir bereits in unserem Jubiläumsartikel „20 Jahre EIKG – Ein Jubiläumsrückblick auf gelebte Vielfalt und Glauben im Herzen Frankfurts“ veröffentlicht. Der vorliegende Artikel blickt deshalb weniger zurück, sondern vor allem auf die aktuelle Wegmarke: Warum der Umzug notwendig wird, was wir mitnehmen, was wir zurücklassen und wie wir unter veränderten Rahmenbedingungen eine tragfähige Zukunft für unsere Gemeinde gestalten wollen.
Diese Geschichte bleibt für uns wichtig. Sie zeigt, dass internationale Gemeinden nicht nur Räume beanspruchen, sondern kirchliches Leben mitgestalten. Sie bringen Sprache, Kultur, Frömmigkeit, ökumenische Erfahrung und internationale Perspektiven in die Kirche ein. Gerade in der Frankfurter Innenstadt wurde dies über viele Jahre sichtbar.
Warum eine Neuordnung notwendig wurde
Ein wesentlicher Auslöser für die Neuordnung ist die geplante Aufgabe beziehungsweise der bevorstehende Abriss bisher genutzter Räumlichkeiten im Bereich der Saalgasse. Dort befinden sich bisher wichtige Flächen für Gemeindebüro, Vorbereitung, Material, Lagerung und organisatorische Arbeit. Eine verlässliche Nutzung in der bisherigen Form ist künftig nicht mehr möglich.
Zugleich wurden im Zusammenhang mit den Gebäudekonzepten der Nachbarschaftsräume und den Kategorien A-, B- und C-Flächen neue Rahmenbedingungen geschaffen. Auch wenn unsere Gemeinde als internationale Personalgemeinde nicht in gleicher Weise wie eine parochiale Ortsgemeinde in die Struktur der Nachbarschaftsräume eingebunden ist, wirken sich diese Prozesse ganz konkret auf unsere Raumfragen aus.
Der Kirchenvorstand nimmt wahr, dass unsere Gemeinde in vorausgehende Entscheidungen und Prozesse zu spät einbezogen wurde. Besonders schmerzlich war, dass Veränderungen im Bereich der Saalgasse und im Blick auf die bisherige verlässliche Nutzung am Standort Hinter dem Lämmchen bereits weit vorangeschritten waren, bevor gemeinsam mit unserer Gemeinde tragfähige Alternativen entwickelt wurden.
Das hat zu Unmut geführt. Nicht aus Ablehnung gegenüber Veränderung, sondern weil internationale Gemeinden mit ihrer besonderen Struktur, ihrer hohen Auslastung und ihrer überregionalen Bedeutung häufig nicht in die üblichen Planungslogiken passen. Eine Personalgemeinde wie unsere hat weniger formale Mitglieder als viele parochiale Gemeinden, erreicht aber an Sonntagen und bei besonderen Anlässen regelmäßig viele Menschen aus dem gesamten Rhein-Main-Gebiet und darüber hinaus.
Internationale Personalgemeinden brauchen andere Blickwinkel
Bei internationalen Personalgemeinden konzentriert sich vieles auf den Sonntag. Der Gottesdienst ist der geistliche Mittelpunkt, aber er endet nicht mit dem Schlusssegen. Der theologische Impuls aus der Predigt wird in den anschließenden Gemeindetreff mitgenommen. Dort wird weitergesprochen, gegessen, gefragt, geholfen, übersetzt, erklärt, getröstet, beraten und Gemeinschaft gelebt.
Zu unseren Gottesdiensten und Gemeindetreffs kommen Menschen nicht nur aus einem Stadtteil. Sie kommen aus Frankfurt, Mainz, Hanau, Fulda, Lampertheim und vielen weiteren Orten im Rhein-Main-Gebiet. Es begegnen sich Menschen der ersten, zweiten und dritten Generation, Familien, Jugendliche, Studierende, neue Fachkräfte aus Indonesien und Menschen, die einen persönlichen Bezug zu unserer Gemeinde empfinden.
Deshalb können internationale Personalgemeinden nicht allein nach denselben Maßstäben betrachtet werden wie parochiale Ortsgemeinden. Wo Planungsmodelle stark an Mitgliederzahlen, Gemeindebezirken oder klassischen Flächenlogiken ausgerichtet sind, geraten internationale Gemeinden leicht unter Druck. Ihre tatsächliche Auslastung, ihre kulturelle und seelsorgliche Bedeutung sowie ihre Funktion als Brücke zwischen Herkunft und Ankommen müssen gesondert berücksichtigt werden.
Gerade solche nicht von Anfang an mitgedachten Sonderregelungen beschäftigen uns bis heute. Sie kosten Zeit, Kraft und Abstimmung. Zugleich zeigen sie, dass eine vielfältige Kirche Strukturen braucht, die auch internationale und migrationsgeprägte Formen von Gemeinde angemessen wahrnehmen.
Die Lutherkirche als neue regelmäßige Mitte
Nach ausführlicher Beratung sieht der Kirchenvorstand in der Lutherkirche derzeit die sachgerechteste und verantwortbarste Lösung für die zukünftige räumliche Aufstellung der Gemeinde. Die Lutherkirche bietet die Möglichkeit, wesentliche Bereiche unserer Gemeindearbeit stärker an einem Standort zu bündeln: Gottesdienst, Gemeindetreff, Gemeindebüro, Begegnung, Gruppenarbeit sowie notwendige Lager- und Nebenflächen.
Damit entsteht eine verlässlichere Grundlage für die kommenden Jahre. Die Gemeinde muss dann nicht mehr in gleicher Weise zwischen mehreren Standorten improvisieren. Wege, Absprachen und Zuständigkeiten können klarer werden. Das ist besonders wichtig, weil unsere Gemeinde stark von planbaren Begegnungszeiten und gut vorbereiteten Sonntagen lebt.
Der Umzug in die Lutherkirche wurde auch im Zusammenhang mit der Frage beraten, wie kirchliche Flächen weiterhin im kirchlichen Nutzungskontext verbleiben können. Mit der künftigen Nutzung der dortigen C-Flächen verbindet sich daher nicht nur unser eigener Raumbedarf. Zugleich leisten wir einen Beitrag zur Solidargemeinschaft der Evangelischen Kirche in Frankfurt und Offenbach und zur weiteren kirchlichen Nutzung in der Lutherkirche.
Gerade in der Kürze der Zeit ist es gelungen, erneut eine Lösung zu finden, die nicht nur unserer Gemeinde hilft, sondern auch einen Beitrag zur gemeinsamen Verantwortung für kirchliche Räume leistet. Das ist für uns wichtig: Wir verstehen uns nicht als Sonderfall außerhalb der Kirche, sondern als Teil einer gemeinsamen kirchlichen Verantwortung.
Was bleibt: Alte Nikolaikirche und Evangelische Akademie
Die Alte Nikolaikirche und der Römerberg bleiben für unsere Gemeinde weiterhin von hoher geistlicher, historischer und ökumenischer Bedeutung. Sie stehen für die langjährige sichtbare Präsenz einer internationalen evangelischen Gemeinde im Herzen Frankfurts. Viele Menschen verbinden mit diesem Ort Gottesdienste, Feste, Begegnungen, persönliche Erinnerungen und das Gefühl, als indonesisch-evangelische Gemeinde mitten in der Stadt sichtbar zu sein.
Der Umzug in die Lutherkirche bedeutet deshalb keine vollständige Aufgabe der Verbindung zum Römerberg. Vielmehr ordnen wir unsere regelmäßigen gemeindlichen Nutzungen neu. Die bisherige räumliche Struktur war durch die veränderten Rahmenbedingungen, insbesondere im Umfeld der Saalgasse und des Gemeindehauses Hinter dem Lämmchen, immer schwerer verlässlich planbar. Mit der Lutherkirche entsteht nun ein neuer Schwerpunkt für Gottesdienst, Gemeindearbeit, Begegnung, Gemeindebüro und weitere praktische Aufgaben.
Gleichzeitig bleibt uns wichtig, dass die geistliche und ökumenische Verbindung zur Frankfurter Innenstadt weiter sichtbar bleibt. Gerade die Alte Nikolaikirche erinnert uns daran, dass unsere Gemeinde nicht nur einen Raum genutzt, sondern über viele Jahre kirchliches Leben am Römerberg mitgeprägt hat.
Auch die Evangelische Akademie bleibt für uns ein besonders wichtiger Ort der Begegnung. Sie steht für Dialog, Offenheit und die Verbindung von Kirche, Gesellschaft, Kultur und Religionen. Besonders unsere Weihnachtsveranstaltungen haben dort eine wichtige ökumenische, interreligiöse und gemeinschaftliche Bedeutung entwickelt.
Deshalb soll die Verbindung zur Evangelischen Akademie nach Möglichkeit weitergeführt werden. Insbesondere die Veranstaltungen am 24. Dezember in der Evangelischen Akademie sowie am 25. Dezember in Verbindung mit der Alten Nikolaikirche und der Evangelischen Akademie bleiben für unsere Gemeinde besondere Ankerpunkte im Kirchenjahr.
Diese Tage sind für uns mehr als einzelne Termine. Sie bringen Menschen unterschiedlicher Herkunft, Konfessionen, Religionen und Lebensgeschichten zusammen. Sie zeigen, dass unsere Gemeinde weiterhin Brücken bauen möchte: zwischen Indonesien und Deutschland, zwischen internationalen Gemeinden und der evangelischen Kirche, zwischen Herkunft, Gegenwart und Zukunft.
Dass diese Verbindung nach Möglichkeit weitergeführt werden soll, ist für uns ein wichtiges Zeichen: Wir ziehen mit unserem regelmäßigen Gemeindeleben weiter, aber wir geben die gewachsene geistliche und ökumenische Verbindung zur Frankfurter Innenstadt nicht auf.
Was wir bedauern – und was wir dennoch mittragen
Wir finden diese Entwicklung schade. Unsere feste internationale Präsenz am Römerberg wird sich verändern. Ein Stück der langjährigen Zusammenarbeit vor Ort wird nicht mehr in derselben Form sichtbar sein. Viele Erinnerungen, Routinen und vertraute Wege sind mit der Saalgasse, dem Gemeindehaus Hinter dem Lämmchen, der Alten Nikolaikirche und der Evangelischen Akademie verbunden.
Gleichzeitig wollen wir nicht nur auf das schauen, was verloren geht. Wir sehen auch, dass die Kirche insgesamt vor schwierigen Entscheidungen steht. Gebäude, Räume und Strukturen müssen neu geordnet werden. Dabei braucht es jedoch einen sensibleren Blick für internationale Gemeinden, deren Bedeutung sich nicht allein aus formalen Mitgliederzahlen oder klassischen Gemeindebezirken ergibt.
Unser Weg in die Lutherkirche ist deshalb zugleich ein Signal: Internationale Gemeinden können und wollen Verantwortung übernehmen. Sie brauchen aber rechtzeitige Beteiligung, verlässliche Absprachen und Rahmenbedingungen, die ihre besondere Form von Gemeindeleben ernst nehmen.
Ein Schritt zur Sicherung der Zukunft
Der Kirchenvorstand versteht den Umzug in die Lutherkirche als notwendige Neuordnung der räumlichen Struktur unserer Gemeinde. Ziel ist es, die Gemeindearbeit zu stabilisieren, organisatorische Abläufe zu vereinfachen und für die kommenden Jahre eine verlässliche Grundlage zu schaffen.
Die regelmäßigen Gottesdienste, der Gemeindetreff, das Gemeindebüro, Begegnung, Gruppenarbeit und notwendige Nebenflächen sollen künftig stärker an einem Ort zusammengeführt werden. Dadurch kann die Gemeinde ihre Arbeit unter neuen Bedingungen verlässlich, sichtbar und verantwortungsvoll fortführen.
Die Pfarrwohnung im Evangelischen Gemeindehaus Hinter dem Lämmchen ist von dieser Neuordnung nicht betroffen und bleibt weiterhin dort bestehen.
Zwischen Abschied und Aufbruch
Der Umzug in die Lutherkirche ist für uns ein tiefgreifender Schritt. Er bedeutet Abschied von vertrauten Wegen und Orten. Er bedeutet Neuorganisation, viele Abstimmungen und auch emotionale Belastung.
Aber er bedeutet auch Aufbruch. Wir gehen weiter als Jemaat Kristus Indonesia Rhein-Main, als Evangelische Indonesische Kristusgemeinde Rhein-Main in der EKHN, als Brücke zwischen Indonesien und Deutschland, zwischen internationalen Gemeinden und evangelischer Kirche, zwischen Herkunft, Gegenwart und Zukunft.
Wir gehen diesen Weg mit Dankbarkeit für das, was in der Frankfurter Innenstadt gewachsen ist. Wir gehen ihn mit dem Bedauern darüber, dass internationale Gemeinden in den Prozessen nicht von Anfang an ausreichend mitgedacht wurden. Und wir gehen ihn mit der Hoffnung, dass aus dieser Erfahrung künftig ein sensiblerer Umgang mit internationalen Personalgemeinden entsteht.
Wir verlassen nicht unsere Geschichte. Wir reagieren auf veränderte Rahmenbedingungen, um unsere Zukunft zu sichern – und um weiterhin ein geistliches Zuhause für indonesischsprachige, deutsch-indonesische und international geprägte Christinnen und Christen im Rhein-Main-Gebiet zu sein.
Weitere Informationen zu unserer Geschichte finden Sie in unserem Jubiläumsartikel „20 Jahre EIKG – Ein Jubiläumsrückblick auf gelebte Vielfalt und Glauben im Herzen Frankfurts“ .
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